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SÜSTEDTER DORFCHRONIK
Die Retzer Landwehr
Im Zusammenhang mit den Recherchen nach frühgeschichtlichen Funden wurde in einem Bericht über den Fund eines Steinbeils eine Schwedenschanze in Süstedt erwähnt, in deren Nähe das Steinbeil in der Zeit zwischen 1917 - 1925 gefunden wurde. Dadurch neugierig geworden, forschten wir ein wenig nach und erfuhren von dem noch lebenden jüngeren Bruder des damaligen Finders, daß noch Reste der damaligen sogenannten Schwedenschanze in einem kleinen Waldstück westlich der B6 vorhanden sind. Es handelt sich dabei um einen Wall mit einem Graben.
 Reste des Walles der Retzer Landwehr
Der Wall verlief früher von dem Wäldchen aus in Richtung Osten der alten Süstedter/Uenzer Grenze (noch früher Grenze des Amtes Bruchhausen/Amt Syke) entlang bis zur B6 und in westlicher Richtung bis etwa 300 Meter nach dem sogennanten "Baumhof".In topographischen Karten vom Anfang der "Fünfziger Jahre" des letzten Jahrhunderts ist der Wall noch so eingezeichnet. In der Kurhannoverschen Landesaufnahme , eine Karte von 1773, ist dieser Wall als »Retzer Landwehr« bezeichnet und in einem Buch aus dem Jahre 1893 1) steht :" Vom Baumhof bei Wickbranzen (Kreis Syke) erstreckt sich über die Haide bis in die Nähe von Retzen die Retzer Landwehr"

Karte von 1773 mit der Retzer Landwehr und der Grenze
zwischen dem Amt Syke und dem Amt Bruchhausen
Landwehren waren ein aus Gräben, Wällen und Hecken bestehendes Verteidigungssystem und enstanden im 14. bis 16. Jahrhunderts. Es handelte sich dabei weniger um geschlossene Ringe, sondern um Absicherungen an Stellen, wo es geographisch möglich war. Oftmals wurden einzelne
Täler oder Höhen zur Kontrolle eines Vehrkehrsweges gesperrt und natürliche Hindernisse, wie Wasserläufe, mit einbezogen. Die Durchgänge durch Landwehren wurden oft mit Schlagbäumen gesichert, die in Krisenzeiten abgesperrt werden konnten.
Die heute noch sichtbaren Reste der Landwehr gehörten wahrscheinlich zu der oben erwähnten Absicherung an besonderen geographischen Stellen. Westlich des Baumhofs - noch heute gibt es diese Ortsbezeichnung, deren Ursprung das Vorhandensein eines Schlagbaums an dieser Stelle vermuten läßt - wurde die Grenze u.a. durch den Otersenbach und die Hache gebildet. Südöstlich der heutigen B6 bildete der Steilhang bei Retzen die Grenze. Weiter bildete der Retzer Bach
und dann der Hohlweg südlich des Süstedter Holzes die Grenze. Retzen lag dabei auf der Syker
Seite, denn es gehörte bis 1852 zum Amt Syke.

Der Hohlweg am "Süster Holz"
Vom Hohlweg an bis über die Felder und die damalige Heide verlief die Grenze bis nach Wachendorf, überquerte die Süstedter - Wachendorfer Straße etwa an der Stelle, an der heute die Eisenbahn die Straße überquert , dann weiter zum Süstedter Bach , der bis zum Thedinhauser Gebiet die Grenze bildete.
Da, wo keine natürlichen Hindernisse wie Bäche oder Hänge die Grenze bildeten, wurden die damals noch überall vorhandenen sogenannten "Knicks" mit in den Grenzverlauf einbezogen. Die Knicks waren sehr dichte Hecken, die die Felder und Wiesen umgaben und in der Zeit, in der es noch keinen Drahtzaun gab, sowohl als Schutz vor dem Vieh, als auch zu der "Umzäunung" der Viehweiden benutzt wurden. So wurden auch Waldstücke mit Knicks umgeben und die Schweine zur Mast in den Wald getrieben. Reste dieser Knicks, die teilweise auch aus Wällen -die allerdings nicht so breit wie die Landwehren waren- bestanden, kann man auch heute noch auf Süstedter Gebiet sehen.
Rest eines "Knicks" auf der
Süstedter-Wachendorfer Grenze
Wie oben erwähnt, wurden die Landwehren in späterer Zeit auch "Schwedenschanzen" genannt.
Dieser Name dürfte allerdings aus dem "Volksmund" stammen, denn zu der Zeit, in der sich die Schweden hier aufhielten, gab es schon Feuerwaffen, gegen die eine -wenn auch dichte- Hecke keinen ausreichenden Schutz mehr bot. Die Landwehren stammen aus dem Mittelalter. Sie dienten zur Zeit der Ritterfehden als Schutz vor Überfällen von Viehdieben und Brandstiftern. Konnten Eindringlinge durch einen Überraschungsangriff die Schlagbäume überwinden, wurde ihnen der Rückzug durch die mit Kirchenglocken alarmierten Bewohnern des Gebietes abgeschnitten.
Selbst wenn es den Eindringlingen gelang zu entkommen, wartete schon einige Kilometer weiter das nächste Hindernis in Form einer Landwehr auf sie. So wissen wir aus alten Berichten, daß die nächsten Landwehren in Bruchhöfen und Schwarme waren.

Lage der Reste der Retzer Landwehr
 
 
Literatur:
1) Vor- und frühgeschichtliche Alterthümer der Provinz Hannover
von Dr. J.H. Müller 1893
2) Lexikon des Mittelalters
Artemis Verlag 1991 S. 1682
3) Deutsches Wörterbuch
Jacob und Wilhelm Grimm, Verlag S.Hirzel 1885 S. 149
4) Die frühgeschichtlichen Befestigungen in Niedersachsen
Prof.Dr.Schuhhardt, Niedersächsische Heimatbücher Bd. 3 S.104
5) Martfeld - Vergangenheit und Gegenwart
Heimat und Verschönerungsverein Martfeld, Heft Nr. 2 S.38
 
 
Karten:
1) Topographische Karte
TK 1:25 000, 3119 Vilsen, Stand: 1954
2)Köngl. Preuss. Landesaufnahme , Vilsen1897
3)Kurhannoverschen Landesaufnahme, 41 Syke , 1773
 
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Archäologische Funde aus Süstedt
 
 
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