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Mühle  

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Süster Kring

Die Geschichte der Nolteschen Wassermühle

Erste Erwähnung.
Die erste schriftlich belegbare Erwähnung der Mühle ist ein Eintrag auf der Karte "1.Theil der Süstedter Zehenten, aufgezeichnet und cartirt Anno 1745" als Schleifmühle.
Es ist zu vermuten, daß die eingezeichnete Schleifmühle schon damals zu einer Schmiede gehörte, die im Brandkataster von 1754 auf der Stelle von Joh.Heinr. Schmidt und auch in späteren Dokumenten erwähnt wird.

Errichtung einer Ölmühle.
1836 berichtet das Amt Bruchhausen der Königlich Großbritannisch. Hannoversche Landdrostei zu Hannover folgendes:
"Zu Süstedt hiesigen Amtes liegt nahe an dem Bache welcher dieses Dorf durchfließt eine Schmiede, deren Eigenthümer der Köthner Heinrich Wilhelm Nolte ist. Zu früherer Zeit wurden in dieser Schmiede Sensen und Schmiedemesser und wie es scheint in großer Anzahl angefertigt, da sich in der Schmiede zu jenem Zwecke ein großer Schmiedehammer befindet welcher mittels eines durch den Bach getriebenen Räderwerk in Bewegung gesetzt wurde."
Ferner wird in diesem Bericht erwähnt, daß die "fabrikmäßige Anfertigung der Schmiedemesser an anderen Orten die Vorteile entrissen hat, welche mit der Vorrichtung verknüpft gewesen sein mögen"und daß jetzt nur noch ein Schleifstein von dem Wasserrad angetrieben werde. Es lohnte sich demzufolge nicht mehr, Sensen und Messer auf handwerkliche Weise herzustellen, weil die Fabriken wesentlich günstiger produzieren konnten. Heinrich Wilhelm Nolte wollte diesem Bericht zufolge eine Ölmühle einrichten, weil sonst das Wasserrad bzw. das Räderwerk die Kosten der Unterhaltung nicht einbrächte. Der Besitzer der Ölmühle in Retzen, Wohlers, beklagte sich darüber bei der Landdrostei in Hannover, weil er wohl die Konkurenz fürchtete. Der oben genannte Bericht des Amtes Bruchhausen nach Hannover war die Folge von Wohlers Klage. Es gingen noch einige Berichte hin und her , so auch ein Bericht des Amtes Syke, zu dem Retzen damals gehörte, in dem das Amt Syke Wohlers aus Retzen unterstützte und sich gegen die Genehmigung der Ölmühle in Süstedt aussprach.
Am Ende wurde Heinrich Wilhelm Nolte die Errichtung der Ölmühle von der Königlichen Landdrostei gestattet.

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Öl aus Rübsamen, Bucheckern, Lein- und Rapssaat wurde früher viel in der ländlichen Küche gebraucht, da die Milchviehhaltung früher sehr viel geringer war und dementsprechend auch die Erzeugung von Butter und Milch. So nahm man das Öl zusammen mit ausgelassenem Talg oder auch mit Mehl vermischt als Brotaufstrich. Öl wurde zum Kartoffelbraten benutzt, als Grundlage für Soßen (Speck-, Zwiebelsoße) und als Ersatz für die knappe Butter bei Pellkartoffeln.
Die Noltesche Mühle scheint zumindest in den Jahren um 1850 Leinöl produziert zu haben, denn es existieren noch alte Rechnungen aus den Jahren 1850 -1854 über den Kauf von Leinsamen und den Verkauf von Leinöl der Noteschen Mühle.
In Ölmühlen wurden die Ölsamen zuerst im sogenannten Kollergang zerquetscht. Ein Kollergang bestand meistens aus zwei sich gegenüberstehenden steinernen Rädern, welche sich auf einem Steinkranz im Kreis drehten; es gab aber auch Kollergänge mit nur einem Stein.
Danach wurden die zerquetschten Ölsamen entweder kalt- oder warmgepreßt.
Das Warmpressen ergab eine höhere Ausbeute gegenüber dem Kaltpressen. Für die Noltesche Mühle ist nicht belegt ob kalt- oder warmgepresst wurde.Das Pressen geschah entweder mit von Nockenwellen angetriebenen Stampfern, die in regelmäßigen Schlägen (daher nannte man diese Mühlen auch Ölschläge) das Öl auspressten oder durch Preßblöcke, die mit Spindeln angetrieben wurden. In die Noltesche Mühle wurde, wie aus Rechnungen der Mühlenbaufirma Johann Fahlenkamp von 1874 -1876 hervorgeht, ein Preßblock eingebaut oder ausgewechselt. Ob davor ein Ölschlag bestanden hat, ist nicht mehr zu ersehen.

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Antrag zu Errichtung eines Mehlmahlganges.
Neben dem Betrieb der Ölmühle wollte Heinrich Wilhelm Nolte1839 einen Kornmahlgang zur Mehlherstellung einrichten.Diesmal äußerte sich das Amt Bruchhausen mit Hinweis auf die schon bestehende obere Wassermühle des C.C.Müllers abschlägig. Auch eine von 23 Einwohnern Süstedts verfasste Eingabe an die Königliche Landdrostei konnte daran nichts ändern.
Zitat aus der Eingabe:
"Wir endunterschriebenen Einwohner der Bauernschaft Süstedt bescheinigen hiermit, dem Vollkötkner und Oelmüller Wilhelm Nolte nach der Stelle Schmidt hierselbst, der Wahrheit getreu, daß es für uns nicht allein sehr wünschenswerth, sondern auch von großem Nutzen sein würde, wenn demselben die Anlegung eines Mehl "Mahlganges" in seiner Oelmühle, gestattet werden könnte......"
Durch diesen Schriftwechsel bemerkte das Amt Bruchhausen, daß 1836 Heinrich Wilhelm Nolte zwar die Errichtung einer Ölmühle gestattet worden war, es aber versäumt wurde einen Vertrag darüber abzuschließen .Dieser wurde 1839 rückwirkend abgeschlossen und beinhaltete u.a. die jährliche Bezahlung (Recognition genannt) von einem Reichstaler und 12 Gutegroschen für die Erlaubnis, die Ölmühle betreiben zu dürfen. Es wurde in diesem Vertrag auch untersagt, das vorhanden gesehene "Stau-Maaß" zu verändern.

Verpachtung der zur Mühle gehörenden Schmiede.
Am 18 Oktober 1846 schließen Wilhelm Nolte und der Schmied Friedrich Heins aus Bruchhausen einen Pachtvertrag über das zu der Ölmühle gehörigen Schmiedegebäudes ab. F.Heins muß für die Pacht der Schmiede 20 Reichsthaler im Jahr bezahlen.
Auszug aus dem Vertrag:

§1

Comparent Wilhelm Nolte verpachtet nämlich an den Mitcomparanten Heins seine, vor seinem Hofe belegenen Schmiede, nebst etwa einem viertheile Hofland im Garten hinter der Schmiede, nebst dem im Garten befindlichen 8 Stück jungen Birnen- und Apfelbäumen, zur Treibung seines Schmiedehandwerks in der Bauernschaft Süstedt.

§2

Der Verpächter gestattet dem Pächter auch, in seinem Oelmühlengebäude, worin ein großer Schleifstein zum Schleifen der angefertigten Schmiedefabrikate vorhanden ist, der durch das Oehl-Mühlenrad getrieben wird, ohne eine besondere Vergütung dafür verlangen zu können, an jedem Sonntage, oder wenn es die Zeit und auch die Umstände sonst gestatten, auch in der Woche, wenn die Oelmühle nicht gebraucht wird, seine Sachen schleifen zu dürfen.

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Arbeiten der Mühlenbaufirma Fahlenkamp an der Mühle.
Von 1874 bis 1876 arbeitet der Mühlenbauer Fahlenkamp aus Bruchhausen in der Ölmühle und baut u.a. den oben schon erwähnten Preßblock aus Holz, mit den ungefähren heutigen Maßen von 55 cm x 55 cm x 215 cm, ein und schließt an die Transmission der Mühle eine Dreschmaschine an. Die Gesamtkosten für die durchgeführten Arbeiten in den zwei Jahren betrugen 632 Reichstaler und 6,5 Gutegroschen (zum Vergleich: der Jahreslohn eines Knechtes 1861 betrug 40 Taler).

Neubau des Mühlengebäudes und Einbau der Turbine.
In Veröffentlichungen über die Noltesche Mühle liest man immer, daß 1880 das Mühlengebäude neugebaut wurde und 1883 die Turbine eingebaut wurde. Leider sind diese Daten nicht belegbar , es existieren keine uns bekannten Unterlagen, die diese Veränderung an der Mühle dokumentieren.Daß ein Neubau des Mühlengebäudes stattgefunden hat, ist schon am Grundriß erkennbar , auf früheren Karten ist der Grundriß des Mühlengebäudes anders eingezeichnet . Wahrscheinlicher ist, daß Turbine und Neubau zu der gleichen Zeit enstanden, wäre es nicht so, hätten die Mühlenbauer das gleiche Problem gehabt, wie ein Hausbesitzer, der sein Haus nachträglich unterkellern will, da die Turbine sich unter dem Mühlengebäude befindet und auch der Bach darunter fließt.

Staumarke wird neugesetzt.
1930 wurden die Staumarke neu gesetzt. Die Staumarke bestand aus einem eisernen Bolzen, der am linken Widerlager der Mühlenbrücke angebracht wurde.Die obere Kante des Bolzens bedeutete die Höhe des Stauziels. Das Wasser durfte bis zu einer Höhe von 17,840 m. ü. N.N. gestaut werden. Desweiteren wurden an dem Mühlengebäude Kontrollpunkte angebracht. Von den alten Kontrollpunkten am Mühlengebäude ist noch ein eiserner Bolzen an der Südseite mit 18,193 m. ü. N.N. vorhanden.
Die Staumarke wurde 1998 neu gesetzt .

Bis 1953 wird die Mühle gewerblich benutzt, danach nur noch für den eigenen landwirtschaftlichen Betrieb des Besitzers bis 1996.
 

 

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